Ich zeichne mit Nadel und Faden. Statt eines Pinsels halte ich eine Nadel, statt Farbe einen Faden. Ich setze einen Stich, dann noch einen. Dieser Prozess ist langsam – verglichen mit der Geschwindigkeit, in der Bilder heute entstehen und konsumiert werden, absurd langsam. Dennoch bestehe ich auf diese Weise, nicht weil ich mich gegen das Schnelle wende, sondern weil dieses Tempo zu mir passt.
Was mich zur Stickerei geführt hat, liegt in ihren Eigenschaften selbst: filigran und zugleich rau, die Vorderseite sorgfältig, die Rückseite ungestüm. In einer Zeit, in der Maschinen und künstliche Intelligenz das Analoge verdrängen, läuft die Handstickerei der Geschwindigkeit entgegen. Genau darin sehe ich ihre wachsende Kraft.
Während sich die Hand bewegt, beruhigen sich die Gedanken, nur die Empfindung bleibt. Diese Zeit sammelt sich im Werk – unsichtbar, aber schwer wie ein Gewicht.
Ausbildung
| 2020-2025 | Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Modedesign |
| 2013-2016 | Kookmin University in South Korea, Keramik Kunst |
Berufliche Stationen
Bedeutende Ausstellungen
| 2026 | Talente München |
| 2024 | Needlepainting vol.2, Kartism Gallery, Seoul, Solo Exhibition |
| 2023 | Needlepainting, Urbanpluto Gallery, Seoul, Solo Exhibition |
Auszeichnungen
| 2025 | Grassipreis der Sparkasse Leipzig |
Weitere Arbeiten von Jeongyun Hyun
Grassimesse 2025
Mit Nadel und Faden male ich auf weichem Stoff: Die Nadel wird zum Pinsel, das Garn zur Farbe. So entsteht Stich für Stich ein Werk, das sich deutlich von klassischer Malerei unterscheidet. Üblicherweise zeigt Stickerei helle Motive wie Blumen oder Mädchen. Ich jedoch möchte diese klischeehafte Vorstellung durchbrechen. Für mich ist das Sticken eine meditative Praxis, in der ich persönliche Vorlieben und verborgene Ebenen meines Bewusstseins ausdrücke. Meine Arbeiten versammeln Elemente jenseits allgemeiner Schönheitsideale – ein ideales Archiv, das ich selbst fülle. Dieser kreative Prozess wirkt auf mich heilend. Die Stickerei wird für mich zu einem Medium, das mein Inneres sichtbar macht: sorgfältig und feinfühlig, doch auf der Rückseite rau. Meine Werke sprechen sanft und friedlich und laden jeden zur Begegnung ein. Auch wenn meine Arbeiten nicht dem üblichen Bild von Stickerei entsprechen, entsteht gerade daraus eine unverwechselbare Wirkung.